10. Juni 2015, 18:54 Uhr / Süddeutsche Zeitung

Ansichtssache

 

Das Hasenbergl liegt am nördlichen Rand der Stadt - und ist besser als sein Ruf.  (Foto: Florian Peljak)

 

Das Hasenbergl galt lange als Schmuddelkind der sonst so sauberen Stadt. Doch wer den Stadtteil besucht, findet kein Ghetto und keinen Brennpunkt, sondern Spielplätze, Wiesen, Kulturangebote - und einen besonderen Zusammenhalt

 

Man kann das Ende von München von zwei Seiten aus betrachten. Fährt man aus der Innenstadt zehn Kilometer nach Norden, endet die Schleißheimer Straße irgendwann abrupt an einem Hochhaus. Ein trister Bau, neun Geschosse, gelbgraue Fassade, kleine Fenster und Balkone, die sich monoton übereinander stapeln. Wer hier wohnt, lebt am Rand der Stadt. Dahinter kommt nichts mehr, nur noch Wald, Wiesen und die Autobahn. Doch von den Balkonen aus zeigt sich ein ganz anderer Blick. Es gibt wohl kaum ein Wohnhaus, von dem aus man durch eine so breite Sichtachse so fantastisch durch die Stadt hindurch nach Süden blicken kann, bis zu den Kuppeln der Frauenkirche und sogar bis zu den Alpen.Hier, am nördlichsten Zipfel Münchens, liegt das Hasenbergl. Und man kann auch das Viertel von zwei Seiten aus betrachten.  

 

Von außen betrachtet ist das Hasenbergl so etwas wie der Vorzeige-Brennpunkt. Wenn man sagen will, dass in München nicht alle reich und verwöhnt sind, dann lässt man eben das Stichwort Hasenbergl fallen. Das Schmuddelkind der sonst so sauberen Stadt. Wenn in Medien Probleme einer deutschen Großstadt gezeigt werden, ist es, als hätten sich alle stillschweigend darauf geeinigt, dass Berlin-Neukölln, Hamburg-Wilhelmsburg und München-Hasenbergl in einem Atemzug genannt werden müssen. Es sind Schlagwörter, die eine Assoziationskette auslösen sollen: Armut, Ausländer, Arbeitslosigkeit. Es ist wie ein Stempel, der einmal auf diese Viertel gedrückt wurde, und solange man auch kratzt und wischt, er lässt sich nicht entfernen. Alle haben ihn längst verinnerlicht, dabei kennen nur die wenigsten diese Stadtteile.

 

Problemviertel? Kathrin Göttlich sieht aus, als würde sie den Begriff nicht recht verstehen. Sie sitzt auf einer Terrasse über den Dächern des Hasenbergls und blickt auf den großen Vorplatz des Kulturzentrums. "Das Hasenbergl ist ein Viertel mit vielen Kulturen." Punkt. Aus. Damit ist für sie alles gesagt. Wenn man immer wieder mit den Klischees anfängt, dann zementiert man sie. Außerdem gibt es Wichtigeres, über das die Geschäftsführerin des Vereins "Stadtteilkultur 2411" sprechen möchte. Zum Beispiel über den vergangenen Abend. Es gab ein großes Konzert, Musiker aus dem Hasenbergl sind aufgetreten, zusammen mit dem österreichisch-rumänischen Pianisten Adrian Gasper. Wenn dann der Saal voll ist, die Stimmung gut, die Leute begeistert - das macht für Göttlich das Besondere in diesem Viertel aus.

 

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4. Mai 2020 / Süddeutsche Zeitung

Feldmoching/Hasenbergl: „Aus der Isolation“

 

Der Stadtteilverein 2411 bietet internationalen Künstlern statt des Auftritts im eigenen Zentrum eine Online-Bühne. Aus den Beiträgen von Malern, Musikern, Sängerinnen und Fotografen entsteht ein facettenreiches Video-Clip-Festival

Von Annette Jäger, Feldmoching/Hasenbergl

 

"Der Himmel in einem Zimmer", "Il cielo in una stanza", singt der Jazzsänger Giacomo Di Benedetto. Man sieht ihn dabei mit seiner Gitarre am Fenster sitzen, Fotos sind in Bilderrahmen auf der Fensterbank zu sehen und lassen unscharf Strandszenen unter blauem Himmel erkennen. In Zeiten, in denen jeder aufgefordert ist, zuhause zu bleiben, haben die Textzeilen der Ballade von Gino Paoli ganz besondere Bedeutung. Der Himmel in einem Zimmer. Man muss sich in diesen Tagen vieles nach Hause holen, was derzeit nicht anderswo stattfinden und erlebt werden kann - auch die Kultur.

 

 

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13. November 2020 / Süddeutsche Zeitung

Stadtteilprojekt "2411" im Hasenbergl:

Dort oben brennt noch Licht

 

Knick in der Optik - die Fensterstruktur der Kulturhausfassade gibt dem "Videoboart" eine besondere Perspektive. Um technische Perfektion soll es nicht gehen.  (Foto: Stephan Rumpf)

 

Jeden Donnerstagabend verwandeln sich die Saalfenster im dritten Stock des Kulturzentrums 2411 in eine Videowand. Das Haus im Hasenbergl will Künstlern und Institutionen ein Forum geben, sichtbar zu bleiben

Von Ilya Portnoy

 

Knick in der Optik - die Fensterstruktur der Kulturhausfassade gibt dem "Videoboart" eine besondere Perspektive. Um technische Perfektion soll es nicht gehen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Was als Experiment begann, hat sich in den vergangenen Wochen allmählich zu einem festen Ereignis entwickelt. Weil der Saal im dritten Stock des Kulturzentrums 2411 aufgrund unzureichender Belüftung schon vor dem Teil-Lockdown vorübergehend nicht genutzt werden konnte, hat sich die Geschäftsführerin Kathrin Göttlich etwas Neues überlegt. Man könne den Saal nicht einfach "brach liegen lassen", sagt sie. Nun verwandeln sich die Saalfenster an der Blodigstraße 4 jeden Donnerstag von 19 Uhr an in eine Videowand.

 

 

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Anschrift:
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