13. November 2020, 21:56 Uhr

Stadtteilprojekt "2411" im Hasenbergl:

Dort oben brennt noch Licht

 

Jeden Donnerstagabend verwandeln sich die Saalfenster im dritten Stock des Kulturzentrums 2411 in eine Videowand. Das Haus im Hasenbergl will Künstlern und Institutionen ein Forum geben, sichtbar zu bleiben

Von Ilya Portnoy 

 

Knick in der Optik - die Fensterstruktur der Kulturhausfassade gibt dem "Videoboart" eine besondere Perspektive. Um technische Perfektion soll es nicht gehen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Was als Experiment begann, hat sich in den vergangenen Wochen allmählich zu einem festen Ereignis entwickelt. Weil der Saal im dritten Stock des Kulturzentrums 2411 aufgrund unzureichender Belüftung schon vor dem Teil-Lockdown vorübergehend nicht genutzt werden konnte, hat sich die Geschäftsführerin Kathrin Göttlich etwas Neues überlegt. Man könne den Saal nicht einfach "brach liegen lassen", sagt sie. Nun verwandeln sich die Saalfenster an der Blodigstraße 4 jeden Donnerstag von 19 Uhr an in eine Videowand.

 

Monatelange Vorbereitungen waren nötig, um das Stadtteilprojekt "Videoboart" einzurichten. Feine Folien, die das Bild des Beamers aus dem Saal nach außen tragen, wurden dazu in mehreren Phasen ganz vorsichtig auf- und wieder abgeklebt, bis man das richtige Material gefunden hatte. Mitte Oktober gab es dann die erste Vorführung. Über das Ergebnis zeigt sich Göttlich "selber total überrascht und berührt". Von Beginn an komme das Videoboart bei den Passanten gut an, die aus der U-Bahn huschend oder auf dem Weg ins Kaufhaus eilend spontan stehen bleiben, um auf die Installation zu blicken. "Etwas Warmes anziehen", rät Göttlich, dann bleibe Zeit genug zum Reflektieren. Um den Moment solle es gehen. Der Platz gewinne indessen mit der Videowand einen neuen Akzent. Ein architektonisches Element wird ebenfalls einbezogen. "Die gebrochene Fensterstruktur erregt auch in der Wahrnehmung einen Bruch", so Göttlich.

 

Mariano von Plocki war mitverantwortlich für die Installation; er ist einer jener Künstler, die ihre Kurzfilme an der Fassade präsentieren. Der aus Argentinien stammende Kameramann, Cutter sowie begeisterter Dokumentarfotograf ist überzeugt, dass Videos dramaturgisch aufgebaut sein müssen. Sie sollten "berühren, also nicht nur eine Farbdarstellung sein, sondern etwas Neues in Bewegung setzen".

Laufend werden neue Produktionen eigens für die Wand geschaffen. Den Bewerbern für das Videoboart-Projekt seien keine Grenzen gesetzt. Von dokumentarisch bis schräg sei alles, unter Einhaltung der technischen Anforderungen, möglich. So kommen auch Fotofolgen an die Wand. Um perfekte Bilder gehe es bei diesem Projekt nicht, betonen die Verantwortlichen, sondern um Geschichten und Emotionen. Nur eines haben die Kurzfilme, die jede Woche für eine knappe halbe Stunde projiziert werden, gemeinsam: Eine Tonspur fehlt. Besonders reizvoll an diesem Stummfilmcharakter findet Mariano von Plocki, dass die Betrachter sich so nur auf das reine Bild einlassen. Es gebe keine, zuweilen störenden, Dialoge, Soundeffekte oder Musik. Auch für Gehörlose liege hierin eine Chance. Auf Untertitel verzichten die Veranstalter bewusst. Dies ermögliche es, die Videos ohne jegliche Anspannung zu betrachten.

 

© SZ vom 14.11.2020

 

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